Sorgenkinder Schwimmbäder

Tempelhofer Freitag diskutiert über die Zukunft der Bäder im Bezirk

Wie es mit den Schwimmbädern im Bezirk weitergeht, darüber herrscht derzeit große Unsicherheit. Die Rede ist von einem neuen Kombibad, für das zwei alte Bäder dicht gemacht werden sollen. Ist das schon beschlossene Sache? Beim Tempelhofer Freitag am 24. Oktober 2014 haben Markus Klaer, der Vorsitzende des CDU Ortsverbands Alt-Tempelhof, und Monika Waldt, CDU Bezirksverordnete in Tempelhof-Schöneberg, die komplizierte Situation erklärt.

Die meisten der Berliner Bäder sind marode und schieben einen riesigen Sanierungsstau vor sich her. Das Stadtbad Tempelhof in der Götzstraße z.B. bräuchte 6 Millionen Euro, 25 Millionen müssten allein in das Kombibad Mariendorf im Ankogelweg investiert werden. Aber auch frisch saniert und mit neuer Technik hätten die Bäder durch die alte Substanz einen deutlich höheren Energieverbrauch als Neubauten.

Berliner Bäderbetriebe bevorzugen neue Kombibäder

Markus Klaer stellte klar, dass es bisher lediglich der Wunsch der Berliner Bäderbetriebe ist, Götzstraße und Ankogelweg dicht zu machen und dafür das Sommerbad Mariendorf in der Rixdorfer Straße zu einem von vier Berliner Pilot-Kombibädern auszubauen. Die Wasserfläche wäre dort dann die gleiche wie bei den drei Einzelbädern zusammen, damit gäbe es genug Platz für Freizeitschwimmer, Schulen, Vereine, Senioren und Familien.

Im Senat wird dieser Plan nach wie vor diskutiert. Kritiker würden lieber das neue Kombibad zusätzlich bauen, die Entwicklung abwarten und alte Bäder nur bei einbrechenden Besucherzahlen schließen. Dagegen fordert der Finanzsenator, dass für jedes neue Bad zwei alte weg müssen. Auch der Standort eines neuen Kombibads ist noch unklar, denn eine Erweiterung des Sommerbads Mariendorf in den Volkspark lehnt der Bezirk ab.

Wirtschaftlichkeit gegen Erreichbarkeit: Neubau oder Sanierung?

Die Bäderbetriebe wollen vor allem ihre hohen Betriebskosten senken, das geht mit ganz neuen Bädern besser und nachhaltiger als mit sanierten. Außerdem setzen die Bäderbetriebe auf die flexiblen Kombibäder: Sie locken zahlende Gäste bei Sonne, Regen und Schnee an und können ganzjährig mit demselben Personal betrieben werden. Darüber hinaus ermöglichen sie Sport-, Spaß- und Wellness-Angebote unter einem Dach.

Monika Waldt lenkte den Blick aber auch auf die Nachteile: Der Wegfall von zwei Standorten würde für die meisten Tempelhofer längere Wege bedeuten. Gerade für ältere Menschen und Schulklassen könne das zum Problem werden, Widerstand aus der Bevölkerung sei vorprogrammiert. Außerdem stelle sich die Frage, ob Neubauten wirklich günstiger seien – denn auch sie wären nach 10 Jahren veraltet und müssten mit viel Geld modernisiert werden.

Keine Patentlösung in Sicht

Klar ist: Berlins marode Schwimmbäder mit z.T. behördenähnlichen Mini-Öffnungszeiten verlieren immer mehr Besucher, machen hohe Verluste und brauchen weiter Millionenzuschüsse. Besserung versprechen moderne Ganzjahresbäder, die den Gästen mehr bieten, allerdings auf weniger Standorte verteilt sind. Gleichzeitig soll der Eintritt bezahlbar bleiben und die Menschen sollen wohnortnah schwimmen gehen können. Die Quadratur des Kreises.

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